Pressekonferenz 2019

Prof. Dr. Robert P. Finger

Neues Laserverfahren bei früher AMD: Wirksamkeit noch nicht erwiesen

Kurzfassung

Keine andere Augenerkrankung bedroht das Sehvermögen so vieler älterer Patienten wie die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD): Knapp sieben Millionen Menschen in Deutschland sind von Frühstadien der AMD betroffen. An einem Spätstadium der AMD leiden etwa 480.000 Menschen in Deutschland.
Die frühe AMD schreitet im Durchschnitt über einen Zeitraum von zehn Jahren zu einer späten AMD voran und verursacht wenige bis keine Symptome. Bislang gibt es keine spezifischen Therapien, die das Entstehen oder Voranschreiten der AMD verhindern oder verlangsamen. Rauchen ist ein Risikofaktor und auch Personen mit erkrankten direkten Familienangehörigen haben ein erhöhtes Risiko. Die Einnahme von Spurenelementen und Vitaminen nach dem ARED-Studienschema scheint das Voranschreiten bei einigen Betroffenen zu verlangsamen.
Die späte AMD, von der etwa sechs bis sieben Prozent aller AMD-Patienten betroffen sind, kann man in eine trockene und eine feuchte Form unterteilen. Bei der trockenen Form, die zirka ein Drittel der Patienten mit später AMD betrifft, sterben nach und nach die Fotorezeptoren ab und das Gewebe verkümmert (Atrophie). Bei etwa zwei Drittel der Patienten mit später AMD tritt die rasch fortschreitende feuchte AMD auf: In der Netzhaut bilden sich neue Blutgefäße, die jedoch mehr Schaden anrichten, als dass sie die Versorgung der Photorezeptoren verbessern würden. Sie sind undicht, so dass Flüssigkeit in das Gewebe austritt. Die Netzhaut wird von der darunterliegenden Zellschicht, dem retinalen Pigmentepithel abgehoben.
Während die späte feuchte AMD mit Medikamenten, die direkt ins Augeninnere gegeben werden, aufgehalten werden kann, gibt es bisher keine wirksame Therapie zur Behandlung der trockenen AMD und der AMD-Frühstadien (sehr frühe und mittlere AMD). Ein neuer Ansatz, der gegenwärtig erforscht wird, sind sogenannte „Subthreshold-Laserverfahren“, für die ein Mikropuls- bzw. Nanosekundenlaser eingesetzt wird. Dabei werden bestimmte Punkte in der Netzhaut mit ultrakurzen Laserpulsen behandelt. Dies soll eine Immunantwort des Körpers hervor­rufen und die Bildung neuer Zellen anregen.
Der Berufsverband der Augenärzte (BVA), die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und die Retinologische Gesellschaft (RG) weisen in einer vor Kurzem veröffentlichten Stellungnahme jedoch darauf hin, dass gegenwärtig kein ausreichender wissenschaftlicher Nachweis vorliegt, um die Wirksamkeit und auch die möglicherweise negativen Wirkungen dieses Verfahrens bei der AMD beurteilen zu können. Die Fachgesellschaften fordern deshalb, dass retinale Lasertherapien bei AMD-Frühstadien nicht außerhalb von klinischen Studien durchgeführt werden sollten.
Die Stellungnahme berücksichtigt die Ergebnisse einer im September 2018 veröffentlichten Studie, bei der die Patienten entweder alle sechs Monate eine Behandlung mit dem neuen Laserverfahren erhielten oder eine Scheintherapie. Im Verlauf von drei Jahren wurde beobachtet, wie sich in beiden Gruppen das Fortschreiten der Krankheit entwickelte. Insgesamt ergab sich dabei jedoch keine signifikante Verlangsamung der Progression zu einer fortgeschrittenen AMD durch die Lasertherapie. Die deutschen Fachgesellschaften urteilen daher, dass die bisher vorliegenden Ergebnisse nicht ausreichen, um die Wirksamkeit dieses Verfahrens bei der AMD beurteilen zu können.