Pressekonferenz 2014

Prof. Dr. Bernd Bertram

Qualifizierte Arbeit muss angemessen honoriert werden

Die "intravitreale operative Medikamentengabe" (IVOM) ist eine moderne Behandlungsmethode, mit der schwere und häufige Augenkrankheiten wirksam behandelt werden: Unter sterilen Bedingungen spritzen Augenärzte im Operationssaal Medikamente direkt in den Glaskörper des Auges.

Bei Altersabhängiger Makuladegeneration, diabetischem Makulaödem und retinalen Venenverschlüssen kann damit das Sehvermögen oft über Jahre hinweg erhalten werden. Voraussetzung für den Erfolg der Behandlung ist aber, dass sie konsequent gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften umgesetzt wird. Dazu gehören eine sorgfältige Diagnostik, die korrekte Indikationsstellung, die Einhaltung strenger Hygienebestimmungen im Operationssaal und regelmäßige Kontrolluntersuchungen sowie bei erneuter Krankheitsaktivität die sofortige Wiederbehandlung. Über Jahre hinweg ist eine intensive Beratung und Begleitung der Patienten notwendig.

Auf die feuchte Altersabhängige Makuladegeneration (AMD), von der in Deutschland knapp 500.000 Menschen im Alter über 65 Jahren betroffen sind, entfallen drei Viertel aller IVOM. Nach den ersten drei Injektionen steigt bei vielen Patienten die Sehschärfe sogar wieder an, während sich ohne Therapie das Sehen fast immer deutlich vermindert. Im weiteren Verlauf gilt es, das Sehvermögen mit so vielen Injektionen wie nötig, aber so wenigen wie möglich zu erhalten.

Die wohnortnahe Versorgung ist angesichts der zahlreichen Untersuchungstermine für ältere Patienten besonders wichtig; lange Wege stellen für sie und ihre Begleitpersonen eine große Belastung dar.

Für die niedergelassenen Augenärzte und die Augenkliniken bedeutet die Versorgung dieser Patienten einen erheblichen Aufwand. Ein Augenarzt hat 70 bis 100 AMD-Patienten zu betreuen, die in der Mehrzahl zwei bis drei Termine pro Quartal und aufwendige Untersuchungen benötigen. Die Betreuung beinhaltet häufig auch die Beratung der Angehörigen sowie die Zusammenarbeit in Netzwerken von ambulant tätigen Augenärzten, Augenkliniken und Selbsthilfegruppen, eventuell auch Seniorenbetreuungseinrichtungen. Dafür investieren Augenärzte viel Zeit und sie benötigen die Unterstützung qualifizierter Mitarbeiter.

Damit die wissenschaftlichen Fortschritte der vergangenen Jahre auch wirklich bei den Patienten ankommen, fordert der Berufsverband der Augenärzte die Schaffung angemessener Rahmenbedingungen. Die Augenarztpraxen und Augenkliniken müssen die nötigen personellen und technischen Kapazitäten haben, um IVOM-Patienten entsprechend den Empfehlungen der Fachgesellschaften nach dem Stand der Wissenschaft zu behandeln. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse müssen möglichst schnell in der täglichen Praxis ankommen. Zu diesen Rahmenbedingungen gehören auch die Therapiefreiheit und die Freiheit von Budgetzwängen. Nicht nur die IVOM selbst, sondern auch alle über Jahre hinweg notwendigen Begleitleistungen müssen dem Augenarzt angemessen vergütet werden. Der bisherige Betrag, den die Gesetzliche Krankenversicherung für ambulante, nicht operative augenärztliche Leistungen bezahlt, liegt bei etwa 700 Millionen Euro pro Jahr und ist damit jetzt schon zu gering.