Pressekonferenz 2014

Prof. Dr. Focke Ziemssen

Medikamente, die ins Auge gehen

Für den klaren, scharfen Blick auf unsere Umwelt ist ein nur ein Quadratmillimeter kleines Stück Netzhaut von großer Bedeutung. Im Zentrum der Makula lutea (Gelber Fleck) liegt die Fovea (Sehgrube) mit einem Durchmesser von 0,3 Millimetern, in der etwa 160.000 lichtempfindliche Zellen, die Zapfen, sitzen. Weiter außerhalb vom Zentrum sind die Zapfen weniger dicht angesiedelt und es finden sich auch die für das Sehen in der Dämmerung wichtigen Stäbchen.

Weil der Sehprozess viel Energie benötigt, sind die Photorezeptoren auf die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen angewiesen. Verschiedene Krankheiten stören diese Versorgung und gefährden damit die zentrale Sehschärfe. Die Folge ist ein verzerrtes oder verschwommenes Sehen gerade im Zentrum des Gesichtsfelds.

Die feuchte Altersabhängige Makuladegeneration (AMD), das diabetische Makulaödem, retinale Venenverschlüsse und Gefäßneubildungen bei starker Kurzsichtigkeit (ab -6 Dioptrien) haben zwar verschiedene Ursachen, jedoch eine Gemeinsamkeit: Es bilden sich krankhafte neue Blutgefäße, die undicht sind und aus denen Flüssigkeit ins Gewebe austritt. Dadurch entsteht ein Ödem (Flüssigkeitsansammlung) im Bereich der Makula, durch das die empfindlichen Photorezeptoren von der sie ernährenden Zellschicht abgehoben werden - mit der Folge, dass sie absterben.

Seit einigen Jahren steht eine zunehmende Zahl von Medikamenten zur Verfügung, die das Wachstum dieser Blutgefäße hemmen und dafür sorgen, dass die Flüssigkeit aus der Netzhaut verschwindet. Sie werden unter sterilen Bedingungen im Operationssaal direkt ins Augeninnere, den Glaskörper, gespritzt. Zunächst erfolgen drei Injektionen im Abstand von je vier Wochen, danach hängt es vom individuellen Krankheitsverlauf ab, ob und wie häufig weitere Medikamenteneingaben folgen müssen. Damit kann das Sehvermögen der Patienten erhalten, oft sogar wieder verbessert werden - und das über Jahre hinweg. Die Voraussetzung für den Behandlungserfolg sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Dabei ist ein modernes bildgebendes Verfahren, die optische Kohärenztomographie (OCT) von besonderer Bedeutung. Damit lassen sich hochauflösende Schnittbilder der Netzhaut erstellen und die Dicke der Netzhaut bis auf wenige tausendstel Millimeter (2-3µm) genau bestimmen. Ein Ende der Behandlung ist bei vielen Patienten allerdings nicht abzusehen. Gerade die häufigste der genannten Krankheiten, die feuchte AMD, muss als chronische Krankheit betrachtet werden.

Die Forschung in der Augenheilkunde zielt aktuell darauf ab, mit weiter entwickelten und kombinierten Wirkstoffen eine stärkere und länger anhaltende Wirkung zu erreichen.

Die Forscher bemühen sich zudem darum, immer frühere Krankheitsstadien zu erkennen und zu behandeln.

Auch für die trockene Form der AMD gibt es Hoffnung. Für diese langsam fortschreitende Krankheit existiert bisher keine Behandlung. Doch erste Tests ergaben, dass sich mit dem Wirkstoff Lampalizumab das Fortschreiten der trockenen AMD um 20% verlangsamen lässt. Möglicherweise ist damit der nächste Durchbruch in der Augenheilkunde absehbar.