Pressekonferenz 2013

Prof. Dr. Bernd Bertram

Die augenärztliche Versorgung muss ausgebaut werden

Besonders im Alter ist das gute Sehvermögen wichtig für den Erhalt der Lebensqualität und der allgemeinen Gesundheit. Visuelle Defizite wie ein eingeschränktes Kontrastsehen, ein reduziertes Gesichtsfeld oder eine verringerte Sehschärfe erhöhen das Risiko für Stürze, die oft bleibende Behinderungen und möglicherweise Pflegebedürftigkeit nach sich ziehen. Gerade im dritten Lebensabschnitt sind Sehbehinderungen häufig mit Depressionen verbunden.

"Sehen im Alter" ist ein Thema, dessen Bedeutung stetig zunimmt: Die Lebenserwartung steigt, und in den kommenden Jahren werden die bevölkerungsstarken Jahrgänge nach und nach das Rentenalter erreichen. Daher wird die Zahl der Menschen, die an einer das Sehen bedrohenden Volkskrankheit leiden, weiter steigen, wie Makuladegeneration, Glaukom, Katarakt und diabetische Retinopathie. Dank der Innovationen der letzten Jahre stehen heute für diese teilweise bisher nicht oder nur unzureichend behandelbaren Augenkrankheiten sichere Methoden der Früherkennungs- und Verlaufsdiagnose und erfolgreiche Therapien zur Verfügung. Die Augenheilkunde gewinnt somit quantitativ als auch qualitativ an Bedeutung.

57 Prozent der Patienten in den Augenarztpraxen sind heute 60 Jahre alt oder älter gegenüber 43 Prozent 1997. Diese Patienten leiden in der Regel an schwerwiegenderen Augenkrankheiten als junge Menschen, die eine Augenarztpraxis aufsuchen. Der personelle und finanzielle Aufwand für die Versorgung einer älteren Klientel ist dementsprechend höher.

Natürlich können die Patienten von diagnostischen Errungenschaften und verbesserten Operationstechniken nur profitieren, wenn die dafür notwendigen personellen und apparativen Voraussetzungen vorhanden sind - auch das sorgt für erheblichen zusätzlichen finanziellen Bedarf.

Ein weiterer Aspekt, den die Gesundheitspolitik angesichts der demografischen Entwicklung berücksichtigen muss: Ältere Patienten sind angesichts einer eingeschränkten Mobilität auf eine wohnortnahe Versorgung angewiesen.

Um den steigenden Bedarf an augenmedizinischen Leistungen zu decken, muss die Versorgung personell und finanziell erweitert werden. Aktuell verhindern starre Budgetgrenzen aber, dass finanzielle Ressourcen in adäquater Weise von Fachgruppen mit sinkendem Bedarf zu Fachgruppen mit steigendem Bedarf verlagert werden.

Die Herausforderung für die Zukunft wird darin bestehen, die finanziellen und personellen Ressourcen dem wachsenden Behandlungsbedarf anzupassen, ohne sich dabei von neuen medizinischen Behandlungsmöglichkeiten und steigenden Ansprüchen abzukoppeln. Nur dann bleibt die frühzeitige Erkennung, Diagnostik und Therapie der häufigsten Erblindungsursachen weiterhin auf hohem Niveau möglich.