Pressekonferenz 2013

Dr. Christian Wolfram MPH

Volkskrankheiten am Auge

Millionen von Menschen in Deutschland sind von Augenkrankheiten betroffen. Die häufigsten sind die Katarakt (Grauer Star, insgesamt rund zehn Millionen Betroffene, zirka 650.000 Operationen pro Jahr), die altersabhängige Makuladegeneration (AMD, 1,6 Millionen Erkrankte, 2,6 Millionen Menschen mit Frühformen), das Glaukom (Grüner Star, knapp eine Million Kranke) und schließlich die diabetische Retinopathie (560.000 Patienten) und das diabetische Makulaödem (110.000 Patienten). Diese epidemiologischen Zahlen belegen, dass man es hier mit Volkskrankheiten zu tun hat.

Bezeichnend für diese Krankheiten, die für die meisten Erblindungen in Deutschland verantwortlich sind, ist, dass sie umso häufiger auftreten, je älter wir werden. Die Häufigkeit der Linsentrübung steigt mit dem Alter: Zwischen 65 und 75 Jahren sind über 90 Prozent der Menschen betroffen. Die Hälfte der Patienten fühlt sich mit 75 Jahren bei ihren alltäglichen Aufgaben durch den Grauen Star beeinträchtigt. Unter einer AMD im Endstadium leiden ein Prozent der 65- bis 74-Jährigen, aber schon fünf Prozent der 75- bis 84-Jährigen. Vom Glaukom sind weniger als ein Prozent der Menschen unter 50 Jahren betroffen, bei den über 80-Jährigen sind es dagegen mehr als fünf Prozent.

Das Sehvermögen zu erhalten ist wesentlich für die Lebensqualität und die allgemeine Gesundheit – gerade und vor allem im Alter. Die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft bringt es mit sich, dass es immer mehr ältere Menschen in Deutschland gibt und dass diese zudem immer länger leben. Somit ergibt sich für die Augenheilkunde und für das Gesundheitswesen als Ganzes: Die Bedeutung von Augenerkrankungen wächst.

Dank der großen Fortschritte der Augenheilkunde können Augenärzte das Sehvermögen ihrer Patienten allerdings immer häufiger erhalten. Der Graue Star kann mit einer kleinen Operation geheilt werden, dabei lässt sich heute dank innovativer Implantate die Sehqualität nach der Operation den Bedürfnissen der Patienten entsprechend steigern. AMD, Glaukom und diabetische Augenkrankheiten sind zwar nicht heil- aber behandelbar, wenn die Diagnose rechtzeitig gestellt wird. Mit der Gabe von Medikamenten in den Glaskörper (intravitreale Therapie) beispielsweise kann bei der aggressiven feuchten Form der AMD und auch bei anderen Netzhauterkrankungen das krankhafte Wachstum von Blutgefäßen im Auge wirksam gebremst werden.

Daher ist Erblinden bei diesen Krankheiten kein unausweichliches Schicksal mehr. Die neuen Verfahren wie die intravitreale Therapie tragen dazu bei, dass das Risiko zu erblinden für den Einzelnen deutlich gesunken ist.

Gegenüber dem Jahr 1993 gibt es heute zwar in der gesamten Bevölkerung 11,6 Prozent mehr Blinde und Sehbehinderte. Das ist jedoch auf die demografische Verschiebung mit einem starken Zuwachs der über 75-Jährigen zurückzuführen. Rechnet man den demografischen Effekt heraus, dann zeigt sich, dass die Häufigkeit von Blindheit und Sehbehinderung zwischen 1993 und 2009 um 9,6 Prozent gesunken ist. Diese Entwicklung ist ein großer Erfolg der Augenheilkunde.